Wie es Patrick Jerg's Homepage vom Hobbyprojekt zum viel beachteten Blog schaffte.
Wie der grösste Brettspielblog der Schweiz entstanden ist und welche Spiele bei ihm keinen Platz haben, erzählt Gründer Patrick Jerg. Ausserdem gibt er hier Tipps, welche Spiele dieses Jahr besonders gut unter den Baum passen.
Sein Blick schweift über die Jugglux Brettspiele-Wand. Er bleibt an der Kasse beim Spiel Paleo hängen: «Hier wird bald eine Erweiterung erscheinen», sagt Patrick Jerg. «Und hier wurde die Anleitung verbessert - die ist jetzt viel verständlicher», erzählt er weiter. Im nächstem Atemzug berichtet er von einem Kartenset, das der Verlag aufgrund von Fehlern komplett neu drucken musste. Man merkt schnell: Patrick Jerg kennt sich aus in der Spielbranche. Der Goldacher ist der Mann hinter brettspielblog.ch. Angefangen hat er damit vor 11 Jahren. Mit mehr als tausend vorgestellten Spielen verfasst er inzwischen den grössten Schweizer Spieleblog. 500 Menschen haben seinen nicht kommerziellen Newsletter abonniert - darunter auch Verlagshäuser. Diese sind es, neben Autoren, die ihm Prototypen zuschicken, um seine Meinung zu hören. Eine schöne Auszeichnung für jemanden, der das alles nach Feierabend macht. Denn: Patrick Jerg arbeitet Vollzeit als Primarlehrer. Der Spieleblog ist seit Beginn ein nebenberufliches Hobby.
«Jede freie halbe Stunde genutzt.»
«Ich wollte einfach mal schauen, wie weit ich damit komme», erzählt Jerg. Der Aufbau eines Blog habe ihn interessiert, die Freude am Schreiben war ein weiterer Grundpfeiler. Sein Ziel: «Für andere Tipps zusammenstellen aus Spielen, die ich selber toll finde.» Schon als Kind hat er viel gespielt, teils exzessiv wie er sagt. «Jede freie halbe Stunde haben wir für ein Spiel genutzt.» Jassen, Dog, Siedler waren die Lieblinge. Im Bereich Familienspiele ist er bis heute geblieben. In seinem Blog stellt der zweifache Vater schnelle Würfelspiele genauso vor wie komplexere Brettspiele. Nur etwas fehlt: «Kennerspiele, die 4 bis 5 Stunden dauern, haben bei mir keinen Platz»
Von vielen Neuerscheinungen überrascht
«Schlechte Spiele gibt es heute nicht mehr. Wenn etwas nicht funktioniert, wird es vom Verlag korrigiert», ist der 48-Jährige überzeugt. Vielmehr gehe es darum, das richtige Spiel für jedes Alter, jeden Charakter zu finden. In der Masse an deutschsprachigen Spielen den Überblick zu behalten, ist selbst für ihn nicht einfach. «Am Anfang hatte ich keine Vorstellung davon , dass pro Jahr etwa 1000 - 2000 neue Spiele erscheinen», sagt Jerg. Eine riesige Fundgrube für den Spieleliebhaber.
Am Wochenende spielen - am Feierabend schreiben
Bevor er sein Urteil fällt, testet er die Spiele in privaten Spielgruppen. So schafft er es, 3 bis 4 Spiele an einem Wochenende probezuspielen. Am Feierabend beschreibt er das Erlebte in Blog-Artikeln. Zwei Spiele stellt er pro Woche vor. Will er das Hobby nicht zum Beruf machen? «Es ist spannend, solange man nicht muss», sagt er lächelnd. Bei einem Verlag gebe es klare Richtungen, die verfolgt werden. «Die Vielfalt ist für mich das Schöne. Dass ich rauspicken kann, was mich interessiert.» Mit den wenigen Werbeplätzen, die er auf seinem Blog anbietet, finanziert er sein Hobby. Damit sind die Reisen an die Spielmessen Nürnberg und Essen gedeckt. Die Spiele muss er längst nicht mehr kaufen. Verlage, die er um Rezensionsexemplare anfragt, kommen seinem Wunsch meist gerne nach. Die Meinungen von Bloggern sind gefragt - die ehrlichen Rückmeldungen kommen bei der Zielgruppe meist deutlich besser an als platte Werbebotschaften.
Kleines Projekt mit grossem Namen
Die vielen getesteten Spiele kann er nicht alle behalten. Viele spendet er an Ludotheken oder Kinderheime. Seine Begeisterung für's Spielen reicht bis in sein Klassenzimmer hinein. Neben dem Unterricht, in den er Spiele wie Prime Climb einbaut, hat er einen «Spielmorgen» initiiert. Dabei bringen die Schüler*innen Spiele von zu Hause mit und erklären sie ihren Kamerad*innen. Das Projekt, das klassenübergreifend 4 mal im Jahr veranstaltet wird, findet grossen Anklang. «Die Frage ist inzwischen nur noch, wann die Termine für nächstes Jahr sind», erzählt er. Ein weiteres Herzensprojekt war sein Buch Kinder erklären die Welt, in dem er lustige Kinderantworten gesammelt hat. Als Zeichner konnte er den Illustrator von Die Legenden von Andor, Michael Menzel, gewinnen. Ein Kontakt, der ohne sein langjähriges Engagement im Spielbereich undenkbar wäre.
Zur Person
Patrick Jerg gründete 2010 den brettspielblog.ch. Der 48-Jährige schreibt daneben für drei Magazine Spiele-Kolumnen. Patrick Jerg wohnt in Goldach (SG) und arbeitet hauptberuflich als Primarschullehrer. Er ist verheiratet und Vater von zwei Söhnen. Seine Freizeit geniesst er auf dem Tennisplatz und dem Stand Up Paddle.