Lockdown - das Spiel zur Pandemie

Worte wie Maskenpflicht, steigende Fallzahlen und Bundesentscheid können viele nicht mehr hören. Drei Freunde haben genau daraus ein Spiel entwickelt. Wie es entstanden ist und ob der Friede am Spieltisch gewahrt wird, verraten sie im Gespräch mit Jugglux.

Lockdown, keine Arbeit viel Zeit. Auch Ibrahim Nhili holt seine Gesellschaftsspiele hervor. «Tschau Sepp, Uno und Monopoly wurden schnell langweilig», sagt der Luzerner. Der 30jährige Metallbauer tüftelt herum und kritzelt eigene Spielkarten. Darauf sind Spritzen, Politiker, Statistiken. Weitere Karten wie Hamstereinkäufe, Demonstrationen und Fake News folgen. Er entwickelt ein Spiel daraus. Ziel ist es, alle Karten loszuwerden. Gelegt werden können Zahlen- oder Spezialkarten. Mit diesen kann man seinen Gegner*innen Maskenpflicht verordnen (zwei Runden Redeverbot), Hamstereinkäufe veranlassen (alle Mitspieler*innen nehmen 2 Karten) oder einen Schnelltest veranlassen (positive/negativ Karte aufwerfen). Bei positiven Ergebnis muss der Spielende in Quarantäne und eine Runde aussetzen. Nur die Impfkarte befreit einem von Quarantäne.

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Am Anfang musste Google helfen
Familie und Freunde sind so begeistert, dass sie eigene Exemplare haben möchten. Der Bekannte Dimitri Oehler steigt ins Projekt ein. Gemeinsam planen sie die Umsetzung. «Wir sind keine Spielentwickler, wir mussten erst alles Know-How zusammenbringen», erzählt Oehler. Lachend ergänzt Nhili: «Am Anfang habe ich gegoogelt: Wie entwickle ich ein Spiel?» Um zu prüfen, ob die Nachfrage vorhanden ist, starten sie im März ein Crowdfunding. Innerhalb von 40 Tagen erhalten sie 12 000.- Franken. «Wir hätten nie damit gerechnet, dass es so gut läuft», schwärmen die jungen Männer.

Überrascht vom grosszügigen Spender
Eine Person spendet grosszügige 2500.- Franken. «Da sind wir selber erschrocken», erzählt Nhili. Viel über die Person können die beiden nicht preisgeben, aber: «ein Promi ist es nicht». Über den Push waren die beiden dankbar. Die vielen Kleinbeträge sind ihnen genauso wichtig. «Es war toll zu sehen, wie die vielen 20er Nötli es so weit schaffen konnten.»

Schnell unterwegs im Eigenverlag
Die Umsetzung folgt schnell. In nur 7 bis 8 Monaten ist das Spiel im Handel erhältlich. Eine unglaubliche Frist im eher trägen Spielbetrieb. Wie war das möglich? «Der Lockdown war ein Vorteil:

Wir waren beide zu Hause, hatten viel Zeit und konnten ultraschnell arbeiten», erzählt Oehler. «Alles was wir brauchten waren Internetverbindung und Drucker», ergänzt Nhili. Sie hätten nicht gewusst, wie lange die Situation noch anhält und wollten daher möglichst schnell produzieren. «Hätten wir  über einen Spielverlag veröffentlicht, wären wir vielleicht in zwei Jahren an einer Messe vorgestellt worden», erklärt Oehler. Daher und weil viele Verlage in Kurzarbeit waren, haben sie sich für den direkten Weg entschieden und selber drucken lassen.

Comeback der Pop Art
Die grösste Herausforderung sei für sie das Timing gewesen - zur richtigen Zeit den richtigen Partner zu finden. Mit Brack konnten sie einen Versandriesen für sich gewinnen. Gründerprobleme wie sich stapelnde Pakete in der eigenen Garage hat das Duo damit vermieden. Geglückt ist die Zusammenarbeit wohl auch, weil das Spiel optisch einiges hermacht. «Wir wollten, dass wir unser Spiel auch nach ein paar Jahren noch toll finden», erklärt Nhili die Detailverliebtheit. Der Pop Art Stil hat es ihnen angetan. «Mehrere Grafiker meinten, dieses Zeitalter sei vorbei» Erst eine befreundete Grafikerin machte die Vision umsetzbar. Nhilis Freundin Sahili Brunner stiess ebenfalls dazu und übernahm das Marketing.

Wie eine Flasche Wein
Das eigene Spiel in den Händen zu halten, macht die Gründer stolz. «Wie andere eine Flasche Wein bringen wir unser Spiel mit», schwärmt Nhili. Die Feedbacks seien bisher «ausnahmslos positiv». Ganz einfach sind die ersten Spielrunden nicht: «Wir wollten kein banales Spiel machen», erzählt Oheler. Nhili ergänzt: «Es braucht etwa 3 bis 5 Runden, bis es richtig flowt»

Streit am Küchentisch?
Sorgt ein Corona-Spiel nicht für Streit am Küchentisch? «Nein», ist Nhili überzeugt. «Wir haben das Spiel bewusst neutral gehalten.» Es gehe nicht  darum, Massnahmen zu kritisieren. Im Gegenteil: Das Verständnis für andere Meinungen solle aufgebaut werden. «Die Kommunikation untereinander ist  das Letzte, was momentan auf der Strecke bleiben sollte», findet Oehler. Das ganze Thema sei negativ geprägt: «Wir möchten auf spielerische Art einen Zugang schaffen».

Spiel über ein Pandemie - darf man das?
Darf man über Corona überhaupt ein Spiel machen? «Klar, Humor tut gut», fanden 97% der 3000 Befragten in einer SRF-Umfrage, die sie zum Spiel durchführten. Im «unberechenbarsten Spiel aller Zeiten» kann man jedenfalls gut üben, mit ständig wechselnden Ausgangslagen umzugehen. Ganz nach Nhilis Einstellung: «Der einzige Weg in schwierigen Situationen ist doch, eine Lösung zu finden und nicht, sich aufzuregen.»

Lieblingsspiele von Ibrahim Nhili (30 Jahre, Metallbauer):
Lockdown, Monopoly, Spiel des Lebens, verschiedene Jasskarten Spiele

Lieblingsspiele von Dimitri Oehler (25 Jahre, Gastronom und Clubbesitzer):
Lockdown, UNO, Brändi Dog, Monopoly

Lieblingsspiele von Sahili Brunner (24 Jahre, Studium Berufsmatur):
Brändi Dog, Lockdown, Post it, Cards Against Humanity

 

 

Download: das Interview mit den Machern des Kartenspiels Lockdown als PDF Datei.

 

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