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"Spiele und Bilderbücher prägen uns als Menschen stark"

Mit "Schweizer Reise" erscheint ein weiteres Werk von Daniel Fehr. Der Winterthurer Spieleentwickler erzählt, wie er zu neuen Spielideen kommt und warum ihm ein kleiner "Woodlands"-Fan besonders in Erinnerung bleibt.

Sie schreiben Bilderbücher und entwickelt Gesellschaftsspiele. Was machen Sie lieber?

Im Moment liegt mein Fokus sogar auf drei Bereichen: Ich arbeite als Bilderbuchautor, ich entwickle Gesellschaftsspiele und ich leite beim Schweizerischen Institut für Kinder- und Jugendmedien den Schweizer Vorlesetag. Es ist für mich nicht ein Entweder-Oder. Die Freude liegt in der Kombination, denn das eine inspiriert das andere. Zum Beispiel hat das Spiel «Woodlands» erzählerische Aspekte. Umgekehrt haben Bilderbücher von mir, etwa «Wie man ein Buch liest», spielerische Aspekte.

Wie kamen Sie zu diesem Berufswunsch?

Lange waren Gesellschaftsspiele für mich nur ein Hobby, vor ein paar Jahren entdeckte ich die Freude am Selbermachen wieder – eine Freude, die ich schon als Kind hatte. Dazumal kannte ich nur die üblichen Verdächtigen wie beispielsweise Monopoly. Zusammen mit meinem Schulfreund erweiterte ich dieses Spiel kreativ. Wir erfanden Zusatzaufgaben und Abzweigungen und stellten unser eigenes Spielmaterial her. Vor ungefähr sechs, sieben Jahren begann ich eigenständige Ideen zu entwickeln mit dem Ziel, diese auch zu veröffentlichen.

Ab wann konnten Sie von der Tätigkeit leben?

Meine ersten Spiele und Bücher erschienen vor vier Jahren. Seit ungefähr zwei Jahren kann ich nun vom Bücher- und Spielemachen leben. Ich verdiene an den Büchern und Spielen selbst, ich mache Lesungen und Auftragsarbeiten. Dazu gehören Mentorate, Spielentwicklungen und Storytelling für Firmen. Dieses Jahr wurde ich zudem vom Kanton Zürich mit einem Freiraumbeitrag ausgezeichnet. Das freut mich sehr, denn Literatur für Kinder und Gesellschaftsspiele haben in der Kulturförderung einen schweren Stand. Es gibt eigentlich keine Stiftungen in der Schweiz, die das Kulturgut Spiel fördern und auch Bilderbücher fallen in der Regel durch die Maschen. Obwohl beides kulturelle Werke sind, die uns als Menschen stark prägen.

Woher bekommen Sie Ihre Ideen?

Ein Patentrezept für Ideen habe ich leider nicht. Mal entdecke ich auf einer Reise oder beim Lesen ein Thema, das ich spielerisch bearbeiten möchte. Mal finde ich ein besonderes Material, das ich in ein Spiel einbauen will. Oft kommen die Ideen  beim Arbeiten. Ich spiele mit Spielmechanismen herum, füge neues hinzu, lasse Dinge weg – bis plötzlich die Idee für etwas Neues da ist.

Wie lange dauert es von der Idee zum fertigen Spiel?

Spiele haben sehr lange Entwicklungs- und Produktionszeiten. Von der ersten Idee bis zum Zeitpunkt, an dem man das Spiel im Laden kaufen kann, vergehen in der Regel zwei bis drei Jahre.

Wie testen Sie, ob ein Spiel bei den Menschen gut ankommt, gut spielbar ist?

Da sprechen Sie einen sehr wichtigen Punkt beim Spieleentwickeln an. Spiele müssen sich in vielen Tests bewähren. Ich habe eine kleine Runde mit anderen Spielentwickler*innen, in der wir unsere Spieleentwürfe testen und kritisieren. Erst wenn ein Spiel diese Expertentests überstanden hat, geht es in die Zielgruppen-Tests: zum Beispiel zu Familien. Wenn das Spiel schliesslich an den Verlag geht, wird es von diesem nochmals viele Male getestet. Erst wenn es auch diese Tests bestanden hat und der Verlag von der Idee überzeugt ist, wird es umgesetzt. Kein Verlag macht ein Spiel, das er nicht auch selbst ausgiebig getestet hat.

Sie führen einen Spieletreff für Erwachsene in Winterthur. Testen Sie dort auch neue Spielideen?

Nein, der Spieletreff Winterthur ist nicht der Ort für Unausgegorenes. Hier spielen wir neue und alte Gesellschaftsspiele im mittleren bis hohen Schwierigkeitsgrad.

Was sind die Herausforderungen bei der Spiele-Entwicklung?

Bei Gesellschaftsspielen geht es darum, Freude zu den Menschen zu bringen. Man spielt ein Spiel, weil man Spass haben will. Mich fasziniert es, eine Welt zu erschaffen, in die Spielende für eine Weile abtauchen und ein paar freudige Stunden vergingen können. Die grösste Herausforderung dabei ist, die Spiele so zu entwickeln, dass es für Zielgruppe passt. Dazu gehört auch, dass der Schwierigkeitsgrad und die Spieldauer stimmen.

«Woodlands» war auf der Empfehlungsliste zum «Spiel des Jahres 2018». Wie hat die Nominierung Ihren Alltag verändert?

Auszeichnungen helfen, Spiele bekannter zu machen und sie sind ein wichtiges Lob von Spieleexpert*innen. Diese können beurteilen, ob ein Spiel innovative Aspekte enthält. Am meisten motiviert mich, wenn ich sehe, wie Kinder und Erwachsene meine Spiele spielen und damit gerne Zeit verbringen. Eine Mutter schrieb mir nach der Nominierung, dass ihr zehnjähriger Sohn «Woodlands» jeden Tag spielen wolle. Er sei richtig verrückt nach dem Spiel. Solche Rückmeldungen treiben mich an, denn darum geht es beim Spielemachen: Freude in die Familien zu bringen!

Was war der Grund für die Neuauflage der «Schweizer Reise»?

Die «Schweizer Reise» ist ein Klassiker. Aber einer, der nicht stehen bleibt. Alle paar Jahre gibt der Verlag eine neue Version heraus. Das Ziel ist es, in der Tradition zu bleiben und gleichzeitig das Spiel zeitgemässer zu machen.

Ist die Neuauflage auch geeignet für Fans des ursprünglichen Spiels?

Selbstverständlich. Die Neuauflage der «Schweizer Reise» steht ganz in der Tradition der bisherigen Spiele: Die Spielerinnen und Spieler entdecken spielerisch die Schweiz. Die neue «Schweizer Reise» wurde ein frisches Spiel für die ganze Familie. Es ist ein leicht zu lernendes Spiel, das man immer wieder spielen kann.

Welches sind Ihre persönlichen Lieblingsorte in der Schweiz?

Ich mag Orte, die ich schon lange kenne und bei denen ich darum Veränderungen wahrnehmen kann. Ein neues Strassenschild. Ein neues Plakat. Ein neuer Laden.

Was gefällt Ihnen am Wohnort Winterthur?

Ich bin in Winterthur aufgewachsen und habe hier mein grösstes soziales Netz. Besonders schön finde ich es, mit dem Velo durch die Stadt zu fahren und bekannte Gesichter zu sehen.

Zur Person

Daniel Fehr arbeitet als Bilderbuch-Autor und Spieleetwickler. Der Winterthurer studierte an der Zürcher Hochschule der Künste und der School of Visual Arts in New York. Danach absolvierte er ein Germanistik-Studium an der Princeton Universtity. Sein bekanntestes Spiel „Woodlands“ war auf der Empfehlungsliste zum Spiel des Jahres 2018. Seit drei Jahren leitet er den „Schweizer Vorlesetag“. In seinem Wohnort Winterthur organisiert der 40-Jährige einen Spieletreff für Erwachsene. Daniel Fehr wurde dieses Jahr vom Kanton Zürich für seine Arbeit als Bilderbuchautor mit einem Freiraumbeitrag ausgezeichnet. Sein neustes Werk, die Neuauflage von "Schweizer Reise", erscheint im Oktober.

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