Daniela Meier* spielte in der Schweizer U24-Nationalmannschaft im Ultimate. Für den Schweizer Verband hat die 19-jährige Zürcherin zwei Frisbees gestaltet. Im Interview erklärt sie, für wen sich der Sport eignet und warum er sogar bei internationalen Turnieren ohne Schiedsrichter*in auskommt.
Wie kam es dazu, dass du zwei Frisbees für den Schweizer Frisbeeverbandes designt hast?
Für unseren Club Ultimate Zürich gab es eine Ausschreibung, um neue Trikots zu gestalten. Mein Vorschlag wurde ausgewählt. Wir haben in diesen Trikots gespielt – so wurde der Verband auf uns aufmerksam und fragte mich an. Das fand ich lässig.
Hast du einen beruflichen Hintergrund in der Grafikbranche?
Nein. Ich hatte Basics im Kunstgymnasium. Den Rest habe ich mir selber beigebracht. Es war toll, meine beiden Passionen Sport und Kunst in diesem Projekt zu vereinen.
Warum das Matterhorn?
Da es sich um den Schweizer Verband handelt, wollte ich etwas machen, das mit dem Land zu tun hat. Ausserdem sollte es ästhetisch sein, um die Leute anzusprechen.
Wie kamst du überhaupt zum Ultimate Sport?
Als ich 12 Jahre alt war, zogen wir nach Bern. Durch einen Freund meines Vaters kam ich zu einem Ultimate Club. Die Leidenschaft ist bis heute geblieben.
Was fasziniert dich an diesem Sport?
Die Kombination von Technik und Athletik. Auf der einen Seite das Werfen, auf der anderen das Laufen und Springen. Ein weiterer Punkt ist die Community, die ist super. Man kennt sich, es ist ein grosser Freundeskreis. Wir sind altersmässig ganz durchmischt – das empfinde ich als Bereicherung. Und es ist ein friedlicher Sport.
Braucht es deshalb keine Schiedsrichter*innen?
Ja, alle, die nicht fair spielen möchten, kommen gar nicht erst zu uns. Es sind einfach alles tolle Menschen.
Wie kann man sich das vorstellen, ein Spiel ohne Schiedsrichter*innen?
Die Spieler*innen wissen, dass sie eine grosse Eigenverantwortung haben. Wenn zum Beispiel jemand gefoult wird, besprechen die zwei Personen die Situation untereinander. Man gibt seinen Fehler zu und spielt weiter. So werden bestimmt 90 Prozent der Fouls gelöst. Alle Europa-und Weltmeisterschaften, an denen ich teilgenommen hatte, fanden ohne Schiedsrichter statt. Das Verhalten auf dem Feld ist uns als Mannschaft sehr wichtig. Unser Ziel ist bei jedem Spiel neben einer guten Leistung eine Top Platzierung als Spiritteam.
Was ist das, ein Spiritteam?
Nach jedem Wettkampf bewerten die Mannschaften gegenseitig ihr Verhalten auf dem Feld. Es werden Punkte vergeben für Kriterien wie Kommunikation, Körperkontakt und Fairness. Die Turnierleitung addiert diese, stellt eine Rangliste zusammen und kürt den Gewinner des Spiritpreises. Teams, die sich unfair verhalten, werden so ebenfalls bekannt.
Sowohl die Schweizer-, Europa-und Weltmeisterschaften im Ultimate wurden dieses Jahr coronabedingt abgesagt. Was bedeutet das für dich?
Das ist sehr schade. Gerade bei diesen Events entsteht durch das gemeinsame Spielen und Übernachten ein starker Teamzusammenhalt. Ich hoffe auf nächstes Jahr.
Wie gut sind die Schweizer Spieler*innen im Vergleich?
Die Frauen Nationalmannschaft ist bei den Europameisterschaften bei den Top-Ligen dabei.
Im internationalen Vergleich über alle Divisionen (Women, Open, Juniors, Mixed / Sand, Rasen) sind wir auf Rang 9.
Für wen eignet sich der Ultimate Sport?
Für kontaktfreudige Menschen, die gerne mit anderen kommunizieren. Und eine gewisse Ausdauer sollte man mitbringen – um das viele Rennen kommt man nicht herum.
Worauf sollte man beim Frisbee Kauf achten?
Er sollte auf jeden Fall auf der Oberseite Rillen haben. Für das Ultimate-Spielen eignen sich besonders Scheiben mit einem Gewicht von 175g. Bekannte Hersteller sind Eurodisc und Discraft. Für das Spielen im Park eignen sich auch Frisbees mit anderem Gewicht oder Hersteller. Für Disc Golf gibt es ebenfalls spezielle Discs.
Du beginnst Mitte September dein Studium in Genf. Bedeutet dies das Ende deiner Ultimate-Zeit?
Nein. In der Schweiz gibt es ungefähr 20 Ultimate Vereine. Ich werde bestimmt einen neuen finden. Weil der Sport noch relativ klein ist, werde ich meine Kolleginnen vom Ultimate Zurich wohl an jedem Turnier sehen (lacht).
Zur Person:
Daniela Meier* spielt aktuell bei Ultimate Zurich. Die 19-Jährige hat an 2 Europa- und 3 Weltmeisterschaften teilgenommen. Sie war zuletzt im Kader der Schweizer U24 Nationalmannschaft. Für die Swiss Ultimate Association hat die Zürcherin zwei Frisbees designt. Mitte September wird sie in Genf ihr Studium der Fine Arts (Bildende Kunst) beginnen.
*Name der Redaktion bekannt
Entdecke hier unsere Ultimate Frisbees


