Vier Freunden aus St. Gallen gelang vor sechs Jahren mit «Frantic» ein Spielebestseller. Mit «Jetriko» brachten sie kürzlich ein neues Spiel heraus. Für wen dieses geeignet ist und auf welche zwei Neuerscheinung sich Fans freuen können, erfährst du hier.
Wie «Jetriko» entstanden ist
Die vier Spielentwickler sitzen in ihrem Büro und tüfteln. Vor ihnen liegen drei Prototypen, zum Teil schon einige Jahre alt.
Irgendetwas fehlt, aus keinem der drei will ein fertiges Spiel werden. Ein Frust für die Entwickler, die mit «Frantic» einen Bestseller gelandet haben. Die vier jungen Männer stempeln die Protoypen als unbrauchbar ab. Diese würden wohl heute noch unbenutzt in einer Schublade liegen, hätten sie nicht die Anfrage eines Vertriebspartners erhalten. Dieser fragte nach einer neuen Erweiterung, die er exklusiv vertreiben könne.
Nach drei Erweiterungen hatten die Macher jedoch keine Lust auf eine weitere. Eine neue Idee musste her.
Die drei Prototypen wurden hervorgeholt. «Die 3 toten Ideen haben wir zusammengeführt und angepasst – so ist ‹Jetriko› entstanden», erzählt Pierre Lippuner, Sprecher und Grafiker.
Unterschied zu «Frantic»
Das Umdrehen eines Mechanismus war der Schlüssel zum neuen Spiel. Anstatt mit dem Ablegen der letzten Karte zu gewinnen, muss man bei «Jetriko» noch eine ganze Runde ohne Karten überleben. Gar nicht so einfach, denn die Mitspieler*innen können mit Spezialkarten und das Spiel mit Fallenkarten dazwischenfunken.
Was unterscheidet das Spiel sonst noch von «Frantic»? «Es ist viel kürzer, eine Runde dauert maximal 20 Minuten. ‹Frantic› ist viel unberechenbarer - es kann zwischen einer und 45 Minuten dauern», erklärt Pierre. «Jetriko» sei mehr ein Spiel für unterwegs, für im Zug oder auf Reisen.
Es gibt keine Wunschkarten und die Runden müssen nicht mehr gezählt werden. «Man kann nicht nur Farbe auf Farbe oder Zahl auf Zahl legen - sondern auch Effekt auf Effekt. Da Zahlen, Farben und Effekte auf den Karten gemischt sind, gibt es viele neue Kombinationsmöglichkeiten.»
Auf Japan folgt Frankreich
Das neue Spiel sei für eine breiteres Publikum geeignet, familienfreundlicher. Ein markanter Unterschied zu «Frantic». Dieses kam gerade durch die Gemeinheiten an, die man seinen Mitspieler*innen antun konnte. Und fand ein teilweise spielfernes Publikum als Zielgruppe. «Wir konnten damit eine Generation ansprechen, die nicht klassisch Spiele spielt, sondern nach einem Bier kurze Unterhaltung möchte».
Das Spiel weckte bei vielen Erinnerungen an UNO, war jedoch beim Spielen deutlich spannender.
Oder wie es in einer Bewertung heisst: «Uno einfach in geil». 175’000 Exemplare verkauften die Ostschweizer Spielentwickler bisher. Das Spiel kommt auch ausserhalb der Schweiz gut an. Es wurde bereits in vier Sprachen übersetzt. Nach Japan wird es dieses Jahr auch in Frankreich veröffentlicht werden.
Schwarze Schachtel durchgeboxt
Können sie mit «Jetriko» an den Erfolg von «Frantic» anknüpfen? «Nein», sagt Pierre. «Es war uns bewusst, dass wir das Phänomen ‹Frantic› nicht wiederholen können.» «Jetriko» sei etwas Kleines, das einfach Spass machen soll.
Warum «Frantic» ein solcher Erfolg wurde, wissen die Erfinder bis heute nicht. «Wir haben nichts geplant, weder Werbung noch ein Konzept gemacht – wir trafen wohl einfach den Nerv der Zeit », meint Pierre. Gestartet haben sie wie viele Gründer: Hobby neben dem Job, erste Produktion durch ein Crowdfunding Projekt und schliesslich den Dachboden voller Spiele.
Die schwarze Schachtel kam bei einigen Vertriebspartnern jedoch nicht gut an. Sie wurde als politisch inkorrekt oder mit einem Luxusprodukt assoziiert. Die Gründer blieben dabei. Mit carta.media fanden sie einen Schweizer Verlag, der die schwarzen Spiele in die kunterbunten Spieleregale der Händler brachte. Der Verlag baute den Vertrieb soweit aus, dass «Frantic» heute in Migros und Coop zu kaufen ist.
Psst - neues Brettspiel geplant
Mit dem Erfolg hat sich das Leben der vier St. Galler stark verändert. Der Physiotherapeut, der Kommunikationsfachmann, der Filmschneider und der Grafiker gründeten zusammen 2015 die Firma Rulefactory.
Erst 2021 haben alle ihr Arbeitspensum zugunsten der eigenen Firma reduziert. Früher trafen sie sich einmal pro Monat, heute einmal pro Woche. Am Freitagnachmittag tüfteln sie nach neuen Ideen.
Das nächste Projekt? Ein Brettspiel. Viel verraten die Entwickler noch nicht: «Wir haben wieder gemeine Mechanismen eingebaut – Fans von «Frantic» wird es bestimmt gefallen»
Neuauflage und Heiratsantrag
Auch eine überarbeitete Neuauflage von «Frantic» ist für 2022/23 geplant. «Wir haben uns sechs Jahre angehört, was die Leute an "Frantic" stört – das werden wir in der Neuauflage berücksichtigen».
Linkshänder*innen beklagten beispielsweise fehlende Symbole auf der rechten oberen Ecke und die weisse Schrift auf gelbem Grund wurde als unleserlich gemeldet.
Im Posteingang lande aber auch viel positives Feedback. Von einer Gruppe, die bis drei Uhr nachts gespielt hat oder von einer Anfrage, die Karten für einen Heiratsantrag zu präparieren.
In den sechs Jahren ist einiges zusammengekommen: «‹Frantic› ist für eine Geburt, eine Verlobung und mindestens zwei Trennungen mitverantwortlich.»
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