Winterthurer Wimmelbuch - Interview mit Initiantin Anita Bättig

„Die Winterthurer haben darauf gewartet“

Interview mit Anita Bättig. Die Szenografin und Kulturmanagerin veröffentlicht diese Woche zusammen mit Illustrator Samuel Schuhmacher das erste Winterthurer Wimmelbuch. Sie erzählen, wie lange sie an einem Bild gearbeitet haben und warum sie das Buch selber herausgeben anstatt über einen Verlag.

Bilder: Dominik Bruderer

Ihr habt gesagt, das Wimmelbuch sei ein Herzensprojekt. Warum?
Weil wir Winterthur lieben! Und weil wir leidenschaftliche Geschichtenerzähler sind. Dafür steckten wir in diesem Jahr viel Herzblut ins Projekt. Wir wollen für Winterthur ein spezielles Wimmelbuch, das man gerne anschaut und immer wieder Neues entdecken kann.

Wie seid ihr überhaupt auf die Idee gekommen?
Ich wollte ein Wimmelbuch von Winterthur kaufen, in der Annahme, dass es das schon gibt. Dem war aber nicht so. Gleichzeitig habe ich Sam in einem anderen Projekt kennen gelernt und erfahren, dass er gerne Wimmelbilder zeichnet.

Wer von euch ist wie am Projekt beteiligt?
Ich bin die Initiantin des Wimmelbuchs. Sam wählte die Bildausschnitte und erstellt die Illustration. Am Konzept haben wir beide mitgearbeitet, ebenso an der Finanzierung und der Produktion

Wie lange hat es von der 1. Idee bis zum Druck gedauert?
Am 3. Dezember 2018 habe ich das erste Email an Sam und HOW geschickt mit der Frage, ob sie sich vorstellen könnten, dass wir zusammen ein Wimmelbuch auf die Beine stellen. Genau ein Jahr später kommt das Buch nun raus, das ist doch wunderbar!

Nach welchem Schema habt ihr die Plätze in Winti ausgesucht?
Es gab verschiedene Parameter. Wir haben uns nach den vier Marketing-Pfeiler der Stadt gerichtet - Bildung, Wirtschaft, Kultur und Freizeit.

Aus einer Vielzahl von Orten hat Sam dann Orte vorgeschlagen, die sich vom Bildaufbau her gut eignen. Angeboten haben sich auch Plätze, an denen sich natürlicherweise viele Menschen befinden, wie z.B. Schützenwiese oder die Musikfestwochen. Natürlich sind aber im Buch alles Orte zu sehen, die wir selber cool finden oder einen Bezug dazu haben. Wenn du 40 Stunden an einem Bild sitzt, kannst du keinen Ort nehmen, der dir nicht gefällt und an den du nicht Erinnerungen und Inspiration hast.

Kann es sein, dass ich als Passant mich selber in dem Buch gezeichnet sehe?
Das ist sehr gut möglich. Allerdings haben wir nicht Personen direkt ins Buch integriert, sondern eher die Szenen, die sich abspielten oder sich hätten abspielen können. Aber vielleicht identifiziert sich der eine oder andere mit einer Person. Jegliche Ähnlichkeit mit realen Personen ist aber zufällig.

Ihr habt das Projekt über Crowfunding finanziert. Hatten Verlage kein Interesse?
Doch. Der Verlag Vatter&Vatter hat von uns gehört und uns angeschrieben. Das hat uns sehr gefreut. Allerdings war das Projekt bis dahin schon weit fortgeschritten, dass wir es selber beenden wollten. Ausserdem handelt es sich hier um ein sehr lokales Produkt. Gäbe es einen Winterthurer Bilderbuchverlag, wären wir bestimmt auf ihn zugegangen.

Ihr habt mehr als doppelt so viel Finanzierung erhalten als benötigt (31'800 CHF). Wie kam es dazu?
Das Wimmelbuch scheint einfach sehr beliebt zu sein und die Winterthurer*innen haben darauf gewartet. Wir haben eine Lücke gefüllt.

Was hat das bei euch ausgelöst?
Wir sind überwältigt von der Unterstützung! Nicht nur finanziell. Fast täglich bekommen wir Rückmeldungen von Personen, die sich ebenso auf das Buch freuen wie wir. Das Wimmelbuch kostete weit mehr als das Crowdfunding - dank dem guten Crowdfunding mussten wir einfach weniger Flächensponsoren haben und konnten mehr Bücher drucken. Dank der Finanzierung konnten wir die Auflage erhöhen - allerdings lohnt es sich, ein Buch im Voraus zu reservieren.

 

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