„Ich möchte auf's WM-Podest“ - Lorena Schwerzmann fährt mit dem Einrad Berge hinunter

Einrad auf der Strasse zu fahren, ist ihr zu langweilig. Lorena Schwerzmann fährt lieber Berge im Bündnerland hinunter. Die 17-Jährige hat uns erzählt, wie es war, Berge über 2900 m.ü.M. zu bewältigen und welchen Weltrekord sie brechen möchte. Ausserdem verrät sie 5 Tipps zum Einradfahren-Lernen.

Für deine Maturaarbeit bist du 7 Berge über 2900 m.ü.M mit dem Einrad hinuntergefahren, wie kamst du auf die Idee?
Lorena Schwerzmann: Ich fahre leidenschaftlich gerne Einrad und will später Mathematik studieren – deshalb habe ich etwas gesucht, womit ich beides verbinden kann. Durch die Touren konnte ich eine Formel erstellen, mit der ich die „Marschzeit“ mit dem Muni* berechnen konnte. Es sind durchschnittlich 4 Minuten pro 100 Höhenmeter Abstieg.
*Mountain unicycle = extra robustes Einrad

Den Aufstieg bewältigst du meist zu Fuss. Ist das nicht anstrengend, nach der Wanderung noch auf's Einrad zu sitzen?
Überhaupt nicht! Ich nenne es optimiertes Wandern. Für viele Wanderer ist das Hinunterlaufen mühsam. Ich kann mich beim Wandern bereits darauf freuen, den Weg abwärts zu fahren.

Was war die grösste Schwierigkeit bei diesem Projekt?
Definitiv die Planung. Sehe ich einen Berg auf der Karte, weiss ich nicht, ob ich ihn mit dem Einrad befahren kann. Die beschriebenen Schwierigkeitsstufen beziehen sich meist auf Wanderer. Für diese macht z.B. Geröll kaum einen Unterschied -  für mich jedoch sehr.

Bei einer Tour musstest du das Einrad fast 7 Stunden tragen, woher nahmst du die Motivation weiterzumachen?
Durch meine Leidenschaft. Es ist die Aussicht auf eine weitere, tolle Abfahrt, die mich motiviert. Früher war ich nicht viel in den Bergen unterwegs. Durch das Muni kam ich erst in die Berge.  Heute fällt mir das Wandern leicht. Und es hat sich wirklich gelohnt, weiterzumachen: Schon am nächsten Tag hatten wir mit dem Piz Terza eine der schönsten Abfahrten des Projekts!

Auf dem Bild fährst auf dem Flüela Schwarzhorn. Du sprichst  von einem anspruchsvollen Start. Was war dort schwierig?
Ich war schon auf jedem möglichen Untergrund: Geröll, Gras, Schnee. Hier war es jedoch alpines Gelände: felsig, enge Kurven und steile Abhänge. Es waren auch grosse Sprünge erforderlich. Einige Zuschauer auf dem Gipfel hörte ich sagen: „Das kann sie doch nicht machen“.

Wie finden das deine Eltern?
Von meinem Vater habe ich schon oft gehört, wie er sagte „ich kann nicht hinsehen“ und einfach die Kamera hinhielt. Aber er weiss, dass mich dieser Sport glücklich macht – darum würde er ihn mir nie verbieten. Und ich bin überzeugt, dass es nicht gefährlich ist.

Warum sollte es nicht gefährlich sein?
Ich bin der Meinung, dass Velofahren viel gefährlicher ist. Beim Einrad-Fahren hat man die Hand die ganze Zeit am Sattel und an der Bremse. Die Geschwindigkeit ist tief, ca 10km/h. Beim Mountainbike Downhill liegt der Weltrekord bei 167 km/h! Ausserdem kann ich beim Einrad jederzeit ganz leicht abspringen. Dabei haben ich keinen Lenker, der im Weg ist.

Man hat das Gefühl, dass du einfache Strecke fast langweilig findest. Bevorzugst du  das Extreme?
Ja, das zeichnet mich aus. Ich habe es lieber technisch anspruchsvoll als langweilig. Meine Devise ist: Wenn ich es nicht probiere, kann ich es erst recht nicht. Ich habe ein gutes Gespür dafür, wie weit ich gehen kann: Ich habe voltigiert, klettere und mache Skitouren – und habe mich noch nie verletzt!

Wie kamst du überhaupt zum Einradfahren?
Ich habe mit 9 Jahren angefangen. Dann habe ich es, wie viele, im Keller verstauben lassen. Erst einige Jahre später, als ich das Cello nicht auf mein Velo packen konnte, kam mir das Einrad als Fahrgelegenheit in den Sinn. Dann habe ich mir mithilfe eines Buches Tricks beigebracht. Seit da ist kaum ein Tag vergangen, an dem ich nicht mit dem Einrad gefahren bin!

Du hast erwähnt, dass dir besonders die Communitiy im Einrad-Sport gefällt. Warum?
Die Community im Einrad-Sport ist schon toll, aber im Muni ist sie noch besser! Die besten Muni-Fahrer bestreiten keine Rennen - es geht ihnen nicht um Wettkampf. Man trifft sich und hat eine tolle Zeit. Egal, wer man ist und welche Sprache man spricht – jeder wird aufgenommen. Wir sind eine total bunte Truppe aus verschiedenen Berufsleuten: z.B. einem Doktor in Chemie, Heilpraktiker, IT-Fachmann und einer Kindergartenlehrerin.

Im Sommer hast du bereits die nächsten Projekte anstehend. Wohin geht’s dieses Mal?
Ich werde mit dem Einrad alleine die Via Alpina abfahren. Diese dauert 2 Wochen und führt vom Fürstentum Liechtenstein bis zum Genfersee über 14 Alpenpässe. Im August werde ich zum ersten Mal an der Weltmeisterschaft UNICON teilnehmen können. Dort möchte ich es sicher auf einen Podestplatz schaffen.

Was sind deine weiteren Ziele für die Zukunft?
Ein grosses Ziel, das ich kürzlich erreichen konnte, ist die Unterstützung durch einen Sponsor. Einradfahren ist kein Breitensport, es gibt keine Liga. Dadurch ist es für die Fahrer eine Auszeichnung, gesponsert zu werden. Ausserdem möchte ich im Einradhochsprung der Frauen einen neuen Weltrekord erreichen. Nicht ein Ziel aber ein Traum wäre es, einmal mit dem Einrad den Kilimanjaro hinunter zu fahren.

 

Einblicke von Lorena's Bündnerland-Tour gibt es hier:

 

 

Der Instagram Kanal von Lorena:
https://www.instagram.com/lorena.unicycle/

 

5 Tipps von Lorena Schwerzmann für alle, die Einrad fahren lernen möchten

  1. Übe das Aufsteigen an einem Hang
  2. Schaue nicht auf den Boden beim Fahren. Den Blick immer geradeaus halten.
  3. Halte am Anfang den Sattel nicht, sonst ist das Ausbalancieren schwieriger.
  4. Übe zusammen mit anderen. Das bringt Motivation und du siehst Fehler deines Gegenübers
  5. Vermeide es, beide Hände auf der gleichen Seite zu haben zB. beim Abstützen am Hang. Stütze dich besser nur mit einer Hand. Ansonsten verdreht sich der Körper.

 

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